Monat: Mai 2002

Nutzen Sie das Geld vom Staat

Wer gründen oder übernehmen möchte wird vom Bund und den Ländern mit zinsgünstigen Darlehen und Zuschüssen unterstützt. Bevor Sie deshalb einen Finanzierungsplan aufstellen und mit der Hausbank sprechen: Informieren Sie sich gründlich über die öffentlichen Fördermittel. Chef zu sein hat viele Vorteile. Dass sich nicht alle gleich in die Realität umsetzen lassen, hat Maler- und Lackierermeister Rene Hoffmann in Niesky (Lausitz) erfahren: „Eigentlich wollte ich wegen meines kaputten Rückens körperlich nicht mehr so stark arbeiten, also dachte ich, dann werde ich eben Chef“ begründet der 30-jährige humorvoll seinen Schritt in die Selbständigkeit. Mit der guten Laune war es aber schnell vorbei, als er mit seiner Idee der hochwertigen Nutzflächenbeschichtung (Details dazu im Netz unter www.nashornhaut.de) bei verschiedenen Banken vorsprach. „Die haben ihre Marterfragebögen aus der Schublade gezogen und sich vor allem erkundigt, was alles schief gehen kann“, erinnert sich Hoffmann. Bei der Niederschlesischen Sparkasse“ fand er schließlich jemanden, der die Marktchancen des bisher fast ausschließlich in Amerika angewandten Verfahrens zur Nutzflächenbeschichtung erkannte, „wohl auch, weil ich den deutschen Vertreter des Produkts mitgenommen hatte“ (Hoffmann).

Die für den Start notwendigen 90000 Mark finanzierte Hoffmann schließlich aus drei Fördertöpfen: dem DtA-Startgeld, dem GAZuschuss für strukturschwache Regionen sowie dem üblichen Hausbankdarlehen. Weil die Ertragsaussichten für ein neues Verfahren naturgemäß schwer zu kalkulieren sind, hat Hoffmann bei der Gründung nicht unnötig „geklotzt“: Als Firmenfahrzeuge genügen ihm ein altes Taxi und ein Ami Schlitten, die er beide in seinen Firmenfarben lackiert hat. Eine Portion Bescheidenheit, die in einer Region mit über 20 Prozent Arbeitslosigkeit gut ankommt. „Die meisten“, so Hoffmann, „sind von der Qualität meiner Arbeit überzeugt, können sich aber mein Produkt nicht leisten“. So hat er rtwa eine Betonfläche im Gehege des Tierparks beschichtet, der wie viele solcher Einrichtungen unter chronischer Finanznot leidet: „Da bekommt man fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn man Geld für seine Arbeit verlangt.“ Trotz der schwierigen Marktsituation beschäftigt der Lackierermeister schon zwei Festangestellte Mitarbeiter und rechnet zum Ende des zweiten Geschäftsjahres erstmals mit schwarzen Zahlen.

Dass Gründer erst einmal überzeugungsarbeit leisten müssen, um eine Bank für ihr Vorhaben einzunehmen, ist zwar in Einzelfällen lästig, hat aber auch Vorteile: Denn wie die jahrelange Erfahrung der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) in Bonn zeigt, haben öffentlich geförderte Newcomer weitaus bessere Überlebenschancen. Sie müssen ihre Idee nicht nur gründlich kalkulieren und dokumentieren, sondern auch noch Dritte davon überzeugen. Eine Übung, die später bei der Kundenakquise zum Alltagsgeschäft zählt. Auch die üblicherweise in Zusammenhang mit öffentlichen Fördermitteln genannten Vorurteile lassen sich nach Ansicht von Cornelia Winter, Leiterin der DtA-Infoline, widerlegen

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